Fandom


==Zusammenfassung des TAB-Arbeitsberichtes Nr. 77 "Tourismus in Großschutzgebieten"==

Wechselwirkungen und Kooperationsmöglichkeiten zwischen Naturschutz und regionalem Tourismus

  • Im vorliegenden Bericht geht es um Nationalparke (NLP), Biosphärenreservate (BR) und Naturparke (NRP), die alle der Definition eines sog. Großschutzgebietes (GSG)entsprechen.
  • Gemeinsam ist ihnen, dass nur mit den unterschiedlichen Schutzzielen konforme touristische Nutzungen möglich sind.
  • Einrichtungen des Massentourismus sowie flächen- und infrastrukturintensive bzw. technische Freizeitnutzungen lassen sich i.d.R. nicht mit ihren Zielen vereinbaren.
  • Die drei Typen von Großschutzgebieten weisen aber in wesentlichen Dimensionen Unterschiede auf:
    • Nationalparks
      • die Natur im Mittelpunkt.
      • Umfangreiche ressourcenverbrauchende Aktivitäten oder Landnutzungsformen sind nicht möglich.
      • Tourismus und Erholung ist auch ein wichtiges Ziel, jedoch nur insoweit, als damit keine (unvertretbaren) Negativ-Auswirkungen auf die Natur verbunden sind.
    • Biosphärenreservate
      • international bedeutsame Natur- und Kulturlandschaften, die sich aufgrund neuer, am Prinzip der Nachhaltigkeit ausgerichteter Bewirtschaftungsweisen zu Modellregionen mit Vorbildcharakter entwickeln sollen.
      • Insofern bietet sich in BR die Möglichkeit, auf großer Fläche neue Wege in der Landbewirtschaftung zu entwickeln.
      • Touristische Entwicklung im Rahmen von Modellprojekten ist speziell in Entwicklungszonen von Biosphärenreservaten möglich und erwünscht.
    • Naturparks
      • als integrierte Bestandteile der Raumordnung anzusehen sind, steht der Mensch im Mittelpunkt. Die mehr als 90 NRP (24 % Anteil an der Gesamtfläche) stellen für die Erholung geeignete regional bedeutsame Kulturlandschaften dar, deren Erhalt häufig großflächig mit lenkenden Eingriffen und Nutzungen verbunden ist. *** NRP sind offen für regionalen Tourismus in zahlreichen Varianten. Mittels nachhaltiger Landnutzungsformen besteht wie in BR die Möglichkeit, spezifische, regionaltypische "Produkte" zu entwickeln und zu vermarkten.
      • Naturparke bieten somit hinsichtlich der touristischen Entwicklung zahlreiche Möglichkeiten.

Tourismus in GroßschutzgebietenBearbeiten

  • Der Tourismus spielt in allen Großschutzgebieten bereits heute eine beachtliche Rolle, insbesondere Nationalparke sind häufig Tourismusmagnete.
  • Die Zahl der Tagesausflüge in Reisegebiete, in denen Großschutzgebiete liegen, überwiegt die der Übernachtungen deutlich - teilweise um ein Vielfaches. * Umgekehrt ist auch erkennbar, dass dort, wo der Anteil der Tagesausflügler am Gesamtbesucheraufkommen im jeweiligen Reisegebiet besonders hoch ist, sehr viele GSG liegen.
  • Zentrale Reisemotive von Touristen sind durch Großschutzgebiete als Destinationen sehr gut ansprechbar.
  • In Umfragen erzielen die Reisemotive, die intakte Natur und Umwelt als Basiselement aufweisen, zumeist hohe Werte. Zu den Reisemotiven, die eine Entscheidung zu einem Besuch eines Natur-/Nationalparks unterstützen können, zählen "reinere Luft", "sauberes Wasser", "aus der verschmutzten Umwelt herauskommen" und "Natur erleben". Diese Motive sind seit Jahren für mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung entscheidende Reisemotive.

Marketing für Großschutzgebiete Bearbeiten

  • Angesichts zahlreicher attraktiver Möglichkeiten, die der Tourismus bietet, sollte es für alle GSG, Kommunen und Regionen eine zentrale zukünftige Aufgabe sein, die bereits jetzt manifeste Nachfrage an sich zu binden und neue abzurufen.
  • Großschutzgebiete bieten als positive Imageträger die Möglichkeit, sich im Wettbewerb als unverwechselbare und attraktive Destination für spezifische Zielgruppen zu positionieren.
  • Prinzipiell ist es ein schwieriger Balanceakt, die Angebotsstruktur angemessen und ausgewogen auszurichten.
  • Der Schwerpunkt der Informationsaktivitäten liegt zumeist bei eher klassischen Formen (Broschüren, Karten, Infozentren) sowie der Angebotsgestaltung in Form von Veranstaltungen, Führungen etc.
  • Eine auf Anregung des TAB durchgeführte Befragung (vgl. Diepolder/Feige 2000) ergab, dass GSG erst in Ansätzen eine erlebnisorientierte Vermarktung ihrer vielfältigen Naturerlebnismöglichkeiten betreiben.
  • Aus einer marketingorientierten Perspektive ergibt sich, dass ein strategisches Produktportfolio und eine entsprechende Angebotspolitik vor allem für Nationalparke derzeit nicht ausreichend etabliert ist.
  • Die deutschen Tourismusdestinationen setzen bislang noch zu selten auf eine mit klar formulierten Produktlinien ausgerichtete Angebotspolitik im Rahmen eines Zielportfolios. Z
  • Ziel müsste es deshalb sein,
    • die Angebotsvielfalt insgesamt deutlich zu erhöhen,
    • bei attraktiven Angeboten Prioritäten zu setzen,
    • die Themen- und Erlebnisorientierung der Angebotsgestaltung zu steigern,
    • systematisch nach Angebotsfeldern zu suchen, mit denen sich Mittel erwirtschaften lassen, die dann wiederum für Schutzzwecke eingesetzt werden können.
  • Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Zusammenarbeit mit touristischen Organisationen. Kooperation manifestiert sich u.a. auch in Arbeitskreisen, gemeinsamen Projekten und Messebesuchen.
  • Gleichwohl ist anzumerken, dass umgekehrt Großschutzgebiete bei den Tourismusorganisationen noch nicht intensiv genug als Destinationen ins Bewusstsein gerückt sind und entsprechend beworben werden.

Aktives Umfeldmanagement Bearbeiten

  • Großschutzgebiete sollten nicht als "Insel" betrachtet und behandelt werden. Sie sind Teil einer Region und bilden z.B. mit angrenzenden (Schutz-)Gebieten und Gemeinden einen Verflechtungsraum. Strukturen und Entwicklungsprozesse in einem Teil können vielfältige (Wechsel-)Wirkungen mit anderen Teilen zur Folge haben. Durch entsprechende Auflagen u.a. für NLP bedingt,
  • Die Region wird die Entwicklungspotenziale, die sich aus der Existenz eines Schutzgebietes ergeben, gerade auch im Tourismus, nur optimal nutzen können, wenn Naturschutz und Parkmanagement mit der Regionalentwicklung abgestimmt sind. Z
  • Die Beobachtung der sozioökonomischen Entwicklung sowie die Dokumentation von Managementmaßnahmen in den Großschutzgebieten sollen schließlich zum einen helfen, die Arbeit der GSG-Verwaltungen einer breiteren Öffentlichkeit - insbesondere in der jeweiligen Region - zugänglich zu machen.
  • Zum anderen sollen die Zusammenhänge mit der regionalen und lokalen Wirtschaft oder den Besucherströmen besser als dies bisher der Fall war verdeutlicht werden.

Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation Bearbeiten

  • zielgruppenorientierte Information und Kommunikation sowohl mit Einheimischen als auch Besuchern letztlich der Schlüssel zum Erfolg einer produktiven Partnerschaft von Naturschutz und Tourismus sind.
  • Öffentlichkeitsarbeit sollte zwei miteinander verknüpfte Dimensionen aufweisen: """Kommunikation und Kooperation. """
  • Informationsflüsse sollten kontinuierlich in beide Richtungen gehen.
  • Wichtig ist zudem, Kommunikationsangebote aktiv zu gestalten und nicht nur als Reaktion auf äußere Ereignisse zu entwickeln.
  • Deswegen sollten hierfür Verfahren und Foren angeboten werden:
    • "Runde Tische": Gespräche zwischen kommunalen Schlüsselpersonen und Nationalparkbediensteten (wie bspw. praktiziert im NLP Bayerischer Wald, von den Beteiligten sehr positiv aufgenommen).
    • Zweckverband von Anwohnergemeinden: Das Ziel ist, gemeinsame Interessen von Kommunen und Großschutzgebiet im Vorfeld zu koordinieren und das Schutzgebiet in den Lebens-, Erholungs- und Wirtschaftsraum der Gemeinde gleichberechtigt zu integrieren.
    • Ausschuss zur direkten Beteiligung bei Entscheidungsfindungen (Bürgermeister, Landräte, Nationalparkleitung): Ein solcher Ausschuss dient der Wahrung der Interessen Einheimischer und sorgt vor allem für Transparenz bei Planungen und Aktivitäten des GSG.
  • Konflikte um Nutzungsinteressen in Großschutzgebieten

Der "Problemhaushalt" von GSG enthält häufig erhebliche Konflikte um Nutzungsinteressen und übergreifende Akzeptanzprobleme mit der in den Gebieten wohnenden Bevölkerung.

  • So ist einmal offensichtlich, dass die ökologischen Schutzziele in einem latenten Spannungsverhältnis zu touristischen Entwicklungszielen stehen, da attraktive Naturräume in der Regel ökologisch sensible Landschaften sind, die durch touristische Nutzung gefährdet werden können.
  • Soziale Spannungen können sich ebenfalls ergeben: So werden mit der Verwirklichung von Schutzzielen einhergehende Nutzungsbeschränkungen nicht immer von der einheimischen Bevölkerung akzeptiert; es fehlt so u.U. an der wichtigen Identifikation der Bevölkerung mir "ihrem" Schutzgebiet.
  • Ökonomische Probleme können sich schließlich für Teile der Bevölkerung und der dortigen Wirtschaft ergeben, da die Nutzungsbeschränkungen ökonomische Nachteile für bestimmte Akteure resultieren und vom touristischen Aufkommen nicht alle profitieren.
  • Aus den unterschiedlichen Zielen und Interessen resultieren in der Regel zahlreiche Spannungen und Konflikte.

Solche Probleme sind nahezu allen Großschutzgebieten inhärent, auch wenn sie in Naturparken tendenziell weniger oder weniger intensiv auftreten als in Nationalparken.

  • Optische Veränderungen, Einschränkungen der Bewegungs- und insbesondere von Nutzungsmöglichkeiten werden abgelehnt und dabei speziell die Verwaltung als wahrgenommener Urheber kritisiert.
  • Neben der alle Bevölkerungsgruppen übergreifenden Kritik zeigt sich aber auch, dass spezifische Nutzergruppen wie Jäger, Forstleute, Vereine etc. die Kritik in besonderem Maße repräsentieren.

Spannungsverhältnis Tourismus und Naturschutz Bearbeiten

  • Die Verbindung zwischen Tourismus und Naturschutz ist häufig widerspruchsvoll. So profitiert der Tourismus auf der einen Seite von der Attraktivität einer intakten Natur und Umwelt, kann jedoch durch übermäßige Nutzung derselben diese zugleich schädigen - und somit seine "Grundlage" zerstören.
  • Andererseits kann Tourismus auch Instrument der Sicherung der natürlichen Ressourcen sein: durch vorsichtige Erschließung der Naturlandschaft im Rahmen eines naturverträglichen Tourismus kann u.U. einem Raubbau durch andere "Nutzungsarten" vorgebeugt werden. * Der Naturschutz wiederum gilt zum einen als "Bremse" für die touristische Entwicklung aufgrund der relativ strengen gesetzlichen Vorgaben.
  • Andererseits soll (und kann) er die für den Tourismus wichtigen "intakten" landschaftsbezogenen Grundlagen sichern: einen durch Schutzmaßnahmen nicht oder nur wenig gestörten Naturhaushalt, "ursprüngliche" Landschaften und eine artenreiche Flora und Fauna - touristische Attraktionen, die jedoch in ihrem Bestand zunehmend gefährdet sind.
  • Erfolge gibt es in der Regel jedoch nur dann, wenn der Interessensausgleich durch eine sorgfältige Planung, kontinuierliche Einbeziehung aller Betroffenen und flankierende Maßnahmen gewährleistet ist.

Besucherlenkung Bearbeiten

  • Probleme aufgrund konfligierender Nutzungsansprüche entstehen überwiegend durch die zeitliche und räumliche Konzentration des touristischen Aufkommens und durch Verstöße der Besucher gegen bestehende Regeln, welche vielfach auf mangelnde Aufklärung über das richtige Verhalten in Schutzgebieten zurückzuführen sind.
  • Eine wesentlich stärkere Beeinträchtigung der Natur- und Nationalparke als durch Langzeiturlauber dürfte dabei von den Naherholern - vor allem Tagesausflügler aus den großen Verdichtungsräumen - ausgehen, da diese vor allem auch zeitlich konzentriert auftreten. * Entsprechend betroffen sind dann auch Parke, die in verkehrsgünstiger Lage zu diesen Verdichtungsräumen liegen.
  • Wesentlicher Teil eines Besuchermanagements ist die gezielte Besucher (strom)lenkung. Besucherlenkung wird in allen größeren Schutzgebieten in der einen oder anderen Form praktiziert.
  • Eine Besucherstromlenkung erfolgt am häufigsten durch eine kombinierte Angebots-Verbots-Strategie (sog. "Honey Pot Strategy"). Die Infrastruktur (markierte Wege, Themenwege, Besucherzentren) sowie angebotene Dienstleistungen (geführte Wanderungen, Exkursionen, Angebote für Kinder) konzentrieren das Gros der Besucher auf bestimmte Bereiche und erhöhen gleichzeitig die Akzeptanz für Zutrittsverbote in besonders sensiblen Teilbereichen der Nationalparke. * Das bestehende Instrumentarium für Zonierung und Besucherlenkung zielt allein darauf, die ökologischen Auswirkungen des Tourismus auf Natur und Landschaft zu begrenzen.

Nachhaltigkeit und Regionalentwicklung Bearbeiten

  • Vviele, insbesondere periphere Regionen und solche innerhalb oder in der Nähe von Großschutzgebieten, versprechen sich von den Möglichkeiten eines "nachhaltigen Tourismus" auch die Chance zu einer "nachhaltigen Regionalentwicklung" insgesamt.
  • Eine Verknüpfung von regionalem (nachhaltigem) Tourismus, Naturschutz und regionaler (nachhaltiger) Entwicklung in diesem Sinne kann die darauf bezogenen Hoffnungen dann erfüllen, wenn entsprechende Leitbilder entwickelt und konkrete, auf die Region bezogene Maßnahmen eingeleitet bzw. umgesetzt werden.
  • Ein solchermaßen integrativer Ansatz erfordert Konzepte und Instrumentarien, die aus verschiedenen beteiligten Bereichen zusammengeführt werden, so z.B. aus Naturschutz- und Landschaftspflege, aus Tourismus und Marketing und aus Landwirtschaft, Raum- und Regionalplanung (s. hierzu Kap. V).
  • Die Kooperation der regionalen Akteure, von Entscheidungsträgern der öffentlichen Hand (Kommune), von touristischen Anbietern, der Tourismuswirtschaft und Organisationen vor Ort ist ein wesentliches Element der Förderung regionaler Identität und Eigenverantwortung.
  • Dabei müssen sektorübergreifende Lösungen erarbeitet werden, die Verkehr, Landwirtschaft, Abwasserklärung, touristische Infrastruktur, Wirtschaftsförderung für Handwerk und Gewerbe sowie Bauflächenausweisung als sich gegenseitig bedingende Systemelemente berücksichtigen.
  • Großschutzgebiete lassen sich in das Konzept der nachhaltigen Regionalentwicklung stimmig integrieren. Sie unterstreichen und verstärken nochmals die ökologische Dimension nachhaltiger Regionalentwicklung. * Regionalwirtschaft und Naturschutz konkurrieren nicht, sondern bedingen sich gegenseitig.

Nachhaltige Regionalentwicklung setzt auf eine größtmögliche ökonomische Unabhängigkeit. Daher sollte der Tourismus in eine weitgehend diversifizierte regionale Wirtschaftsstruktur integriert sein; ein hoher Anteil der Wertschöpfung aus dem touristischen Geschehen sollte der Region selbst zukommen. * Touristische Angebote sollten mit den anderen Wirtschaftsbereichen verflochten sein, um auch deren Marktchancen zu fördern.

  • Eine Strategie kann die Verflechtung von verschiedenen Angeboten zu Pauschalreisen in die Region oder die Verknüpfung von landwirtschaftlicher Herstellung und gastronomischer Weiterverarbeitung sein.

Resümee Bearbeiten

Großschutzgebiete als Modellregionen

  • Die Erhaltung der Natur einerseits und ihre Erschließung für den Besucher andererseits sind zwei Ziele, die auf den ersten Blick schwer miteinander zu vereinbar scheinen.
  • Dies kann aber gelingen, wenn zum einen Touristen und Touristiker sich als Kooperations-Partner der Großschutzgebiete sehen und deren Schutz- und Entwicklungsziele mit tragen.
  • Auch zeigt die Erfahrung produktiver Partnerschaften, dass die Zusammenarbeit von Tourismus und Naturschutz - als Konflikt- und Kooperationspartner - für beide (und für weitere Akteure) positive Effekte zeitigen kann.
  • Biosphärenreservate, Naturparke, aber auch Nationalparke thematisieren offensiv die Möglichkeiten, Wirtschaftsentwicklung und Naturschutz miteinander zu verbinden.
  • Diese Tendenz trifft sich mit der grundlegenden Debatte über Nachhaltigkeit, in deren Zusammenhang nunmehr Großschutzgebiete zu Modellregionen für eine nachhaltige Entwicklung erklärt werden.
  • Großschutzgebiete sollten darüber hinaus - angesichts des (globalen) Strukturwandels, der zu einer ganz anderen Bewertung von z.B. Produktivität oder Standortvorteilen führt - die Rolle ihrer Region aktiv neu zu definieren suchen.
  • Für die weiteren Perspektiven von Großschutzgebieten wird es entscheidend sein, ob hier ein ökologisch und zugleich sozial verträglicher Tourismus entwickelt werden kann.
  • Geschieht dies nicht, gefährdet der Tourismus seine eigenen Grundlagen - den Naturraum, die regionalen Besonderheiten und das lokale Gesellschaftsgefüge - damit letztlich sich selbst.
  • Denn Großschutzgebiete sind weder von der natürlichen, sozialen und regionalspezifischen Situation ihres jeweiligen Umlandes losgelöst noch stellen sie einen gänzlich anderen Naturraum dar, der den dort stattfindenden Tourismus völlig anders gestalten würde.
  • Die doppelte Zielsetzung eines ökologisch und zugleich sozial verträglichen Tourismus, nämlich zum einen den Natur- und Umweltschutz in den ausgewiesenen Gebieten zu sichern und zugleich eine regionale Wertschöpfung durch touristische Nutzung zu ermöglichen, lässt sich nur unter konzeptioneller Einbeziehung größerer Gesamtregionen erreichen.
  • Resümierend lässt sich festhalten, dass Tourismus in Großschutzgebieten als potenziell sozialverträgliche und umweltschonende Nutzung und Entwicklung von Kultur und Natur in Regionen eine Alternative zu flächen- und infrastrukturintensiven Freizeitnutzungen in Form von z.B. Freizeit- oder Ferienparks sein kann.
  • Auch wenn sich diese Effekte nicht von selbst ergeben und ein Interessenausgleich nur durch eine sorgfältige Planung, Einbeziehung aller Betroffenen und flankierende Maßnahmen erreicht werden können, dürfte es sich lohnen, das Modell und die Praxis eines Zusammenwirkens von Tourismus, Naturschutz und Regionalentwicklung im Kontext von Großschutzgebieten als ein - auch ökonomisch - attraktives Konzept weiter auszubauen.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.